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| Heike Engelhardt

Vor über 100 Jahren wurde der erste Internationale Frauentag begangen. Heike Engelhardt, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) im Kreis Ravensburg, betont: „Von wahrer Gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt.“

Der Internationale Frauentag steht heuer unter dem Motto „Frauen brechen auf!“ Er geht zurück auf eine Initiative amerikanischer Sozialistinnen aus dem Jahr 1908, für die sich zwei Jahre später die Deutsche Clara Zetkin stark machte. Seit 1921 wird der Tag weltweit einheitlich am 8. März begannen, zu ehren der russischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernfrauen, die den Aufstand in St. Petersburg begründet hatten. „Damals wie heute kämpfen Frauen weltweit an diesem Tag für ihre Rechte und für die Gleichberechtigung“, sagt Heike Engelhardt, „zum Internationalen Frauentag 2016 wollen wir gemeinsam aufbrechen!“

22 Prozent weniger Gehalt, 52 Prozent weniger Rente

Die Kreisvorsitzende bemängelt: „Immer mehr Frauen sind erwerbstätig, aber noch immer werden Frauen oft schlechter entlohnt als ihre männlichen Kollegen. Allzu oft arbeiten Frauen unter prekären Bedingungen mit niedrigsten Löhnen, in unfreiwilliger Teilzeit, befristet oder in Minijobs. Frauen sind in puncto Einkommen, Karriere und soziale Sicherung stark benachteiligt. Durchschnittlich bekommen sie für die gleiche Arbeit 22 Prozent weniger Gehalt und insgesamt 52 Prozent weniger Rente als Männer.“

Starre Arbeitszeitregelungen stehen dem Wunsch von Frauen und Männern entgegen, Erwerbstätigkeit, Hausarbeit und Familienpflichten unter einen Hut zu bringen. Viele Frauen möchten ihre Arbeitszeit gerne erhöhen, viele Männer hingegen ihre Stundenzahl reduzieren. „Deshalb brauchen wir ein Recht auf – auch befristete – Teilzeit für alle Beschäftigten“, sagt die Sozialdemokratin.

Die SPD habe in Regierungsverantwortung in Land und Bund bereits einiges bewegt: die Einführung des Mindestlohns, von dem vor allem Frauen profitieren, das Chancengleichheitsgesetz für mehr Gleichstellung und mehr Frauen in Führungspositionen, den Ausbau qualitativ hochwertiger Betreuung für Kinder und Pflegebedürftige zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein Entgeltgleichheitsgesetz für gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit ist auf den Weg gebracht. Für Heike Engelhardt kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen: „Die ASF wird diese Themen weiter konstruktiv begleiten und befördern.“

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen muss endlich ernst genommen werden, denn sie findet täglich und überall statt. Sie ist leider auch Teil der Kultur hierzulande. Wir sind tagtäglich konfrontiert mit überkommenen Rollenbildern, mit Sexismus in Sprache, Medien oder Werbung. Dies führt zu weniger Respekt gegenüber Frauen – und fördert sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen. Wir brauchen außerdem eine dauerhafte Finanzierung der Hilfe- und Beratungseinrichtungen für Frauen und Mädchen, die auch den Zugang von geflüchteten Frauen sicherstellt.

Mehr Frauen in die Politik

Einen Teil des Problems sieht Heike Engelhardt darin, dass Frauen in Parlamenten immer noch deutlich unterrepräsentiert sind. Für mehr politische Teilhabe von Frauen fordert die AsF-Vorsitzende eine Novellierung des Kommunal- und Landtagswahlrechts, etwa mit Listen, die nach dem Reißverschlussprinzip mit Frauen und Männern gleichermaßen besetzt sind. Sie ist überzeugt, dass „Politik dann besser wird, wenn Frauen und Männer sie gemeinsam machen“.

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